Physiotherapie als Langzeitverordnung

Dauerhafte Verordnung von Heilmitteln

Einige Krankheitsbilder lassen sich mit wenigen Massageeinheiten oder einigen Stunden geführter Krankengymnastik bereits wieder in den Griff bekommen. Auch nach Operationen und Verletzungen ist die Dauer der physiotherapeutischen Behandlung meist überschaubar. Es gibt aber auch Erkrankungen, Fehlstellungen und Verletzungen, die eine langfristige Physiotherapie nötig machen.

Im Normalfall verordnet der behandelnde Arzt sechs Sitzungen beim Physiotherapeuten, sind weitere Termine nötig, wird ein Folgerezept ausgestellt. Gerade für Menschen mit chronischen Erkrankungen sind die ständigen Arztbesuche, die nur dazu dienen, ein neues Rezept auszustellen, eine große Belastung. Der Gesetzgeber hat daher die Möglichkeit geschaffen, ein Heilmittel – beispielsweise eine physiotherapeutische Behandlung – langfristig zu genehmigen. Man spricht hier von einer Langzeitverordnung.

Wann kommt die Langzeitverordnung in Frage?

Eine dauerhafte Behandlung kommt dann in Frage, wenn eine ebenfalls dauerhafte funktionelle oder strukturelle Schädigung vorliegt. Im Sozialgesetzbuch werden einige Fälle definiert, bei der eine solche Schädigung anzunehmen ist:

  • Multiple Sklerose
  • Tumore an Gehirn oder Rückenmark
  • Hirninfarkte
  • Arthritis
  • Contergan-Schädigungen
  • Fehlende Extremitäten
  • Lymphödeme
  • Chronisch obstruktive Lungenkrankheiten
  • Demenz
  • Chronische Schmerzen

Eine komplette Liste der Diagnosen stellt der Kassenärztliche Bundesverband bereit. Natürlich gibt es zu jeder Regel Ausnahmen und so können auch Patienten, die ihre Krankheit nicht auf dieser Liste finden, für eine Langzeitverordnung in Frage kommen. Voraussetzung ist, dass die Diagnose in etwa einer der gelisteten Erkrankungen entspricht.

Diese Behandlungen können verordnet werden

Ärzte können bloß Therapien dauerhaft verordnen, die in Deutschland anerkannt und erwiesenermaßen wirksam sind. Dazu zählen neben ergotherapeutischen und podologischen Maßnahmen auch die gesamte Bandbreite der Physiotherapie. Neben Bewegungstraining, bei dem der Patient selbst aktiv wird, sind auch Massage-, Hydro-, Elektro- und Thermotherapie verordnungsfähig.

Schmerzen können beispielsweise mit einer klassischen Massagetherapie behandelt werden. Es sind aber auch spezielle Massagetechniken, die die Funktion der inneren Organe oder die Durchblutung verbessern sollen, verschreibungsfähig. Auch die manuelle Lymphdrainage, die bei Lymphödemen oder Schwellungen zum Einsatz kommt, kann ein Arzt dauerhaft verordnen.

Die Krankengymnastik kann als klassische Bewegungstherapie, als gerätegestützte Gymnastik oder als Chirogymnastik verordnet werden. Letztere Form kommt vor allem bei Problemen an der Wirbelsäule zum Einsatz. Sie dient der Verbesserung der Muskelkraft, -ausdauer und -koordination. Für Kinder werden spezielle Therapieformen angeboten, die auf den noch im Wachstum befindlichen Körper abgestimmt sind.

Darüber hinaus werden auch Atemtherapien, Kohlensäurebäder und Inhalationstherapien als dauerhafte Behandlungen angeboten. Behandlungen, die die Atemwege unterstützen und vor Infektionen schützen sollen, können beispielsweise Patienten mit Long-Covid-Syndrom angeboten werden. In manchen Fällen wird die Physiotherapie mit anderen Behandlungsformen kombiniert, der Arzt erstellt in diesem Fall einen genauen Behandlungsplan, der die Maßnahmen aufeinander abstimmt.

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